Gerhard Tauscher ist als Katastrophenhelfer weltweit im Einsatz

von Janina Plato, dpa

Gerhard Tauscher sitzt entspannt bei einer Tasse Kaffee auf der Terrasse - eine Gelegenheit, die der gebürtige Mainzer nicht allzu oft hat. Denn als Rotkreuzler ist er seit 24 Jahren bei weltweiten Katastrophen im Einsatz und kümmert sich vor Ort um die Überlebenden. Kürzlich kam er von einer 4-wöchigen Reise aus Birma zurück. Dort mussten bei einem verheerenden Wirbelsturm vermutlich mehr als 13.000 Menschen ihr Leben lassen. "Wenn ich alle Länder zusammenzähle, in denen ich schon war, komme ich auf dem Landweg bis nach Thailand, ohne ein neues Land zu betreten", erklärt der Helfer.

Indien, Iran, Albanien und Mosambik - Tauscher kennt alle diese Länder und noch 15 mehr. Manchmal dauerten seine Reisen ein halbes Jahr, manchmal auch nur 4 Wochen. Als einer von rund 10 Deutschen des "Field Assessment Coordination Teams (FACT) des Roten Kreuzes gehört er zu den Spezialisten auf dem Gebiet der Auslandseinsätze. Weltweit besteht das Team aus etwa 300 Menschen, die bei Katastrophen alarmiert werden und sich dann entscheiden, ob sie in das Land fahren möchten oder nicht.

"Ich habe mich auf Wasser und Sanitär spezialisiert. Meine Hauptaufgabe vor Ort ist in der Regel die Installation von Wasseraufbereitungsanlagen", berichtet der Familienvater, der auch Menschen in den jeweiligen Ländern ausbildet. Ist Tauscher einmal nicht im weltweiten Einsatz, arbeitet er in Mainz beim Roten Kreuz.

Seit 24 Jahren ist Tauscher Rettungsassistent und hat damit für sich - trotz der Belastungen - den richtigen Beruf gewählt. "Man darf die Dinge nicht zu nah an sich heranlassen, sonst schafft man es irgendwann nicht mehr", sagt er. "Wichtig ist aber, trotzdem menschlich zu bleiben."

Mit seiner Frau und seinen beiden Söhnen lebt er in einem gemütlichen Holzhaus im hessischen Ginsheim ganz in der Nähe von Mainz. Um sich von seinem anstrengenden Arbeitstag auszuruhen, fährt er gerne Kanu auf dem Rhein, klettert und steigt aufs Fahrrad. "Aber natürlich liege ich auch gerne einmal mit einem guten Buch im Garten", erzählt der Familienvater.

Ein besonders schockierendes Ereignis erlebte Tauscher 1993 in Kroatien während des Balkankrieges. "Unser Lager wurde mit Artillerie beschossen und neben mir schlugen die Bomben ein", erinnert er sich. "Ich habe angefangen Holz zu hacken - total idiotisch. Aber hier habe ich wirklich gemerkt, wie ich an mein Limit gestoßen bin", sagt Tauscher. Trotz solcher Erfahrungen und vieler persönlicher Schicksalsschläge, die man als Katastrophenhelfer erlebt, bewegen den Mainzer am meisten die Einsätze in der Heimat. "Manchmal wird man zu Leuten gerufen, die man kennt. Da muss man sich dann wirklich zusammenreißen", beschreibt Tauscher seine Arbeit.

Der Spagat zwischen dem Familienleben und den Auslandseinsätzen fiel anfangs nicht ganz leicht. "Erlebt mal all diese Dinge und wird mit solchen Extremsituationen konfrontiert, kann man über die alltäglichen Probleme nur müde lächeln", meint Tauscher. "Wenn ich jetzt im Ausland bin, haben wir Kontakt über E-Mail oder Telefon. Aber auch das ist nicht immer leicht. In vielen Ländern wird man abgehört, und die E-mails werden zensiert und zwischengespeichert", berichtet der Rotkreuzler. Um mehr Zeit für seine Familie zu haben, wird Tauscher in Zukunft nur noch kürzere Einsätze annehmen.

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