Erlebnisbericht: Dieter Mathes aus Uganda

8 Uhr, 28 Grad und es werden 40 Grad erwartet – Dieter Mathes ist wieder einmal für das Rote Kreuz im Kriseneinsatz, diesmal in Uganda. Hier leitet er ein Team bestehend aus Kollegen des Österreichischen, Schwedischen und Deutschen Roten Kreuzes. Gemeinsam mit zwei Spezialisten aus Kamerun und Tansania ist es gemeinsame Ziel aus Flusswasser möglichst viel sauberes und sicheres Wasser für Flüchtlinge und die Menschen in der Region herzustellen.

Mathes ist einer der Erfinder des Notfallhilfesystems des Roten Kreuzes, den sogenannten „Emergency Response Units“ oder kurz „ERUs“. Sie sind speziell für die humanitäre Soforthilfe entwickelte Einsatzmodule. Als Baukasten konstruiert, können sie schnell in Krisengebiete transportiert und dort aufgebaut werden. Darunter befindet sich auch ein Wasseraufbereitungs- und versorgungssystem, das derzeit in Uganda zum Einsatz kommt.

Wie es vor Ort aussieht berichtet Dieter Mathes aktuell. Hier einige Auszüge:

„Wir befinden uns im Nordwestern von Uganda nahe der Grenze zum Südsudan. Bürgerkrieg, Dürre, Wassermangel und Vertreibung bringen die Menschen nach Uganda, um dort „ein besseres“ Leben zu beginnen. Tausende Flüchtlinge passieren jeden Tag die Kontrollpunkte und suchen Schutz in den Auffanglagern, die der UNHCR und die Ugandische Regierung eingerichtet haben. Dort werden die Menschen registriert und bekommen ihre erste Mahlzeit seit Tagen.“ (...) „Mehr als eine Million Menschen befinden sich auf der Flucht, so ein Sprecher der Regierung.“ (...) „Wasser, Wasser, Wasser, das ist das Hauptproblem mit dem die Menschen hier zu kämpfen haben.“ (...) „Wir sind hier im Land um mitzuhelfen dieses Leid zu lindern, so formuliert es ein Kollege aus Österreich.“ (...) „Wir sind direkt am Weissen Nil, wo wir unser Basiscamp und unsere Trinkwasseranlage innerhalb von nur wenigen Tagen in einer kräftezehrenden Aktion aufgebaut haben.“ (...) Aus weiter Ferne kann man schon die riesigen in der Sonne glänzenden Stahltanks erkennen. In der Fachsprache nennt sich diese Einheit M40. Das bedeutet Massenwasser für ca. 40.000 Menschen bei einem täglichen Verbrauch von 15 Litern pro Person. So kommen wir auf eine Kapazität von etwa 60.000 Litern pro Tag. Wir sind im Flüchtlingscamp RHINO mit etwa 75.000 Menschen für das Trinkwasser verantwortlich. Der Bedarf liegt hier bei ca. 1.000.000 Litern Waser pro Tag. Eine Herausforderung, die es irgendwie zu lösen gilt.“ (...) „Ein weitaus größeres Problem wird der Transport des Wassers in die Camps darstellen bei einer Entfernung von etwa 60 bis 75 Kilometern, keine Straßen, sondern Pisten (...).“ Gibt es genügend LKWs? Wer bezahlt den Treibstoff und die Kosten für den Transport? Werden die LKWs auch bei Nacht fahren? Auf all diese Fragen galt es Antworten zu finden.“ (...) „Für uns vor allem wichtig: Die Menschen und das Vieh, dass die Flüchtlinge auf ihrer Flucht mitgebracht haben so schnell wie möglich mit Wasser zu versorgen.“ (...) „Es ist spät am Abend als das erste Trinkwasser unsere Anlage verlässt.“ (...) Am nächsten Morgen stehen schon zehn Wassertanker bereit, um mit sauberem Trinkwasser gefüllt zu werden.“ (...) „Hochprozentige Chlorlösungen werden bereit gestellt um sicher zu gehen, dass die Kontamination mit Bakterien ausgeschlossen werden kann. Mikrobiologische Tests zeigen uns täglich die Ergebnisse.“ (...) „Trainingsprogramme für interesseierte Volunteers stehen an. Wir versuchen all unser Wissen weiterzugeben. Spätestens in vier Monaten, solange wird der gesamte Einsatz dauern, müssen all unsere Kollegen fit sein und das Wasser verstehen. Nicht nur, dass es lebensnotwendig ist, sondern auch den Tod bringen kann. Nachhaltigkeit und Kapazitätsbildung sind unser Ziel. Wenn wir dies erreichen, können wir zufrieden wieder nach Hause fahren. Ein langer Weg, aber hoffentlich ein erfolgreicher.“

05.04.2017